Kurzatmigkeit und dysfunktionale Atmung bei POTS


Kurzatmigkeit und dysfunktionale Atmung bei POTS

 

Breathlessness and dysfunctional breathing in patients with postural orthostatic tachycardia syndrome (POTS): The impact of a physiotherapy intervention

 

Die Physiotherapeutische Behandlung konzentrierte sich auf Atmungsphysiologie, insbesondere Atmungskontrolle und normales Atemmuster. Beachtet wurde auch die Verbindung zwischen Körper und Geist und wie äußere Faktoren wie Angst, Stress und Lebensstil das Atemmuster beeinflussen und zu Atemnot führen (Spathis et al., 2017).


Das Atemtraining

Ziel des Atemtrainings bei den POTS Patienten war grundlegendes Erlernen der Atemkontrolle. Dies die Nasenatmung, eine normale Atemfrequenz, ein normales Atemzugvolumen (Tidalvolumens) und ein normales Ein- und Ausatemverhältnis, mit einer angemessenen Atembewegung von Brust und Bauch (thorako-abdominale Exkursion).


Die Technik soll den Patienten das Gefühl vermitteln, die Kontrolle über ihr Atemmuster zu haben. Die Atemkontrolle wurde dem Patienten zunächst in Rückenlage beigebracht. Die Patienten wurden angehalten, eine Hand auf die Brust und die andere auf den Bauch zu legen, um dem Patienten ein Feedback zu geben, wie er übermäßige Bewegungen des oberen Brustkorbs reduzieren kann. Anschließend wurden die Patienten durch die Atemkontrollübung geführt, bei der sie mit einer Inspirationszeit von zwei Sekunden, einer Exspirationszeit von zwei Sekunden und einer postexspiratorischen Pause von einer Sekunde atmen sollten (d. h. Gesamtzeit des Atemzyklus = 5 Sekunden, mit dem Ziel, eine Ruheatemfrequenz von 12 Atemzügen pro Minute zu erreichen) (Thomas et al., 2003; Bruton et al., 2018; Bott et al., 2009).

Wenn die Patienten beim Erlernen der Atemkontrolle nicht in der Lage waren, übermäßige Bewegungen des oberen Brustkorbs zu reduzieren, wurden sie angewiesen, beide Hände hinter den Kopf zu legen, um den oberen Brustkorb zu fixieren und die Bewegung des oberen Brustkorbs zu reduzieren. Die Patienten wurden darauf hingewiesen, dass sie, wenn sie nicht in der Lage waren, eine normale Atemfrequenz (12 bpm) und ein normales Atemmuster aufrechtzuerhalten, oder wenn sie ängstlich wurden bzw. erhebliche unangenehme Symptome auftraten, eine Pause einlegen sollten, bis die Symptome nachließen, und dann erneut beginnen sollten. Die Patienten wurden darauf hingewiesen, dass das Ziel der Atemübung darin besteht, die Toleranz gegenüber dem vorgegebenen Atemmuster und der Atemfrequenz langsam und schrittweise zu erhöhen. Allen Patienten wurde geraten, zweimal täglich 15 Minuten lang Atemkontrollübungen durchzuführen (Bruton et al., 2018; Cooper et al., 2003).


Das Übungsprogramm zur Atemregulierung war standardisiert und progressiv. Sobald die Patienten die Atemkontrollübungen in der Rückenlage beherrschten, wurden sie dazu angeleitet, die Übungen im Sitzen auszuführen und dann in anspruchsvolleren/funktionelleren Positionen, z. B. im Stehen oder Gehen.

Als die Patienten zur sitzenden Haltung übergingen, wurde die Technik des kontrollierten Atemhaltens eingeführt. Ziel dieser Technik ist es, den Patienten für die Beatmungsreaktionen und Symptome zu desensibilisieren, die mit dem geringen Anstieg des Kohlendioxids verbunden sind, der bei der Verringerung der Atemfrequenz und des Atemzugvolumens (Tidalvolumens) auftritt (van't Hul et al., 2018).


Nach einem normalen Ein- und Ausatmen wurden die Patienten angewiesen, die Nase zuzuhalten und den Atem anzuhalten, bis die ersten Anzeichen von Unbehagen (Lufthunger) auftraten. Anfangs wurden die Patienten angewiesen, die kontrollierte Pause viermal täglich in der Rückenlage durchzuführen und in die sitzende Position überzugehen, sobald die Symptome dies zuließen. Sobald dies erreicht war, wurde den Patienten geraten, die kontrollierte Pause mit der Atemkontrolle zu kombinieren, d. h. die kontrollierte Pause mit einer anschließenden anhaltenden Phase der Atemkontrolle durchzuführen (Bruton et al., 2018; Bott et al., 2009; Cooper et al., 2003).


 

Abstract

Das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (POTS) ist ein chronisches, multifaktorielles Syndrom mit komplexen Symptomen der orthostatischen Intoleranz. Atemnot ist ein Symptom, über die Ätiologie ist jedoch wenig bekannt. Anekdotische Hinweise legen nahe, dass kurzatmige POTS-Patienten häufig eine dysfunktionale Atmung/Hyperventilationssyndrom (DB/HVS) aufweisen. Es gibt jedoch keine veröffentlichten Daten zum DB/HVS bei POTS und zu der Frage, ob Physiotherapie/Atmungsumschulung das Atemmuster und die Symptome der Patienten verbessern kann.


Ziel dieser Studie war es, die potenziellen Auswirkungen einer physiotherapeutischen Intervention mit Schulung und Atemkontrolle auf das DB/HVS bei POTS zu untersuchen. Eine retrospektive Beobachtungs-Kohortenstudie aller Patienten mit POTS, die über einen Zeitraum von 20 Monaten zur Behandlung von DB/HVS an die Atemphysiotherapie überwies


en wurden, durchgeführt.


100 Patienten (99 weiblich, Durchschnittsalter (Standardabweichung) 31 (12) Jahre) mit einer klinischen Diagnose von DB/HV wurden überwiesen, von denen Daten für 66 Patienten vor und nach der Intervention vorlagen. Nach der Behandlung wurden signifikante Verbesserungen des Nijmegen-Scores, der Atemfrequenz und der Atemanhaltezeit (Sekunden) beobachtet.


Diese Daten stellen die überprüfbare Hypothese auf, dass ein Atemtraining bei POTS-Patienten mit Atemnot zu einer gewissen Linderung der Symptome und damit zu einer Verbesserung ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität führen kann.


 

Quelle:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31743851/

Reilly CC, Floyd SV, Lee K, Warwick G, James S, Gall N, Rafferty GF. Breathlessness and dysfunctional breathing in patients with postural orthostatic tachycardia syndrome (POTS): The impact of a physiotherapy intervention. Auton Neurosci. 2020 Jan;223:102601. doi: 10.1016/j.autneu.2019.102601. Epub 2019 Nov 12. PMID: 31743851.


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